Gespräch: „Stunden aus Blei“

Ein Gespräch mit der Autorin hören Sie in einem neuen Folge der Serie „Tschechische Bücher, die Sie lesen müssen“ auf Radio Prague International (24. 2. 2021). Die Fragen stellte Markéta Kachlíková.

Der vielschichtige Roman „Hodiny z olova“ („Stunden aus Blei“) ist das bisher letzte Werk der tschechischen Gegenwartsautorin Radka Denemarková. Die Schriftstellerin kritisiert darin die europäische Gesellschaft für ihr Wohlwollen gegenüber dem Regime in China, in dem sich – so die Autorin – das Schlimmste von Kapitalismus und Kommunismus vereint habe.

Frau Denemarková, wir sprechen heute über Ihren Roman „Stunden aus Blei“, der 2018 erschienen ist. Es ist Ihr Lebenswerk, wie Sie mir damals gesagt haben. Wovon handelt das Buch?

„Für mich ist es wirklich das Lebenswerk, weil ich in meinem Alter ein Buch geschrieben habe, in dem ich viele Themen bearbeitet habe, die für mich sehr wichtig waren. Es sind Themen, die die Gesellschaft betreffen, aber auch unser Privatleben. Am Anfang standen meine Aufenthalte in China. Ich war absolut überrascht und schockiert darüber, die sich das Land präsentiert: China ist ein brutaler Polizeistaat. Als ich aber nach Europa zurückkam, sprachen alle hier davon, dass China eine harmonische, stabilisierte Gesellschaft sei. Da habe ich mir vorgenommen, in meinem Alter, falls ich noch Energie habe, einen Roman darüber zu schreiben, was Totalitarismus und autoritäre Systeme bedeuten – für die Familien und für jeden Einzelnen. Ich wollte mit diesem Roman auch ein bisschen warnen. Ich war damals sehr verzweifelt darüber, was alles in der Luft lag. Wir leben in einer sehr spannenden Zeit, überall in der Welt ändert sich vieles, und das war noch vor der Pandemie. Die Pandemie hat dann alle Probleme nur klarer gezeigt.“

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