„Seit das in China passiert ist, rauche ich“ | Die Welt

PORTRÄT.

Marko Martin: „Seit das in China passiert ist, rauche ich“. Die Welt, 18. 1. 2022. S. 16.

Prag und Peking, das ist eine enge Beziehung. Doch hier erzählt die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková, warum sie lebenslanges Einreiseverbot in China hat

Mit der Tram geht es zurück ins Zentrum, wo in der vom Wenzelsplatz abgehenden Stepánská-Straße die Neonschrift des Hotel Alcron leuchtet: Im August 1968 hatte hier auf Einladung des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes Heinrich Böll gewohnt und war zum Zeugen des sowjetischen Einmarschs geworden. Und hatte danach lebenslang die Sache der hiesigen Oppositionellen verfochten und dabei geholfen, sie auch im Westen bekannt zu machen. So wie es heute Radka Denemarková tut, in ihrem Roman gewordenen Einspruch gegen Diktatur und Vergesslichkeit. Havel statt Karel Gott, und weiterhin gültig bleiben die Verse des 1977 aus der DDR ausgereisten Böll- Freundes Reiner Kunze: „Wir haben immer eine wahl / und sei’s, uns denen nicht zu beugen, / die sie uns nahmen.“

Weiterlesen

Radka Denemarková: Stunden aus Blei. Roman. Aus dem Tschechischen von Eva Profousová. 880 S., geb., € 32,90 (Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg)

Buch kaufen

Foto: Filip Noubel