Kontrolle über den Körper von Frauen

Der heutige Kampf der Frauen in Polen, die gegen die Rückkehr ins Mittelalter demonstrieren, ist ein Kampf aller Frauen der Welt. Es ist ein Kampf für die Menschenrechte.

Stunden aus Blei, S. 136:

„Kontrolle der schwächeren Körper. Eine Form von Erniedrigung: Der Staat steht breitbeinig über einem Körper und entscheidet. In einem Land reduziert der Staat unter Drohungen die Geburten. Wozu ist eine Gesellschaft fähig, wenn sie etwas so Intimes lenkt wie die Empfängnis?
In einem anderen Land verlangt der Staat unter Drohungen einen Geburtenanstieg und führt vom katholischen Obskurantismus versüßte Antiabtreibungsgesetze ein wie zum Beispiel in Polen. Wann immer Unsicherheit und Angst in der Luft flattern, richten die Mächtigen die Aufmerksamkeit hin zu Territorien, die unter ihrer Kontrolle stehen. Das Territorium der mit einer Vagina ausgestatteten Körper. Angst treibt die Menschen in die Privatsphäre ihrer Häuschen zurück, die man Staaten nennt. Nationalismus gedeiht in Symbiose mit Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und patriarchaler Aufwallung. Nationalismus braucht Nationalisten. Schon wieder schrumpft das Leben einer Frau ein auf den Dienst an der Nation: ihr möglichst viele Kinder zu schenken. Eine andere Aufgabe haben Frauen in dieser Welt nicht, sie sind dazu da, sich zu reproduzieren. Die Nationalisten beanspruchen ihre Ehefrauen und Töchter für sich allein, als hätten sie brav Friedrich Nietzsche gelesen; in Liebesbeziehungen eine Niete, wusste Nietzsche aber von einem Mittel gegen ehrgeizige Frauen; die Frau gleicht einem Mysterium, zu dem es eine Lösung gibt, und die heißt Schwangerschaft. Damit eine Frau sich freiwillig auf ihre Sklavenrolle einlässt, darf sie weder des Lesens noch des Schreibens kundig sein, sie darf nicht denken. Da hat der Staat ein Problem. Wie schließt man heute Frauen von der Bildung aus? Das Problem aller Diktatoren: Wie holt man die Menschen in die Sklaverei zurück? Der wichtigste Konflikt der Welt im einundzwanzigsten Jahrhundert wird kein Konflikt zwischen Klassen oder Religionen sein, sondern der zwischen den Geschlechtern. Die westliche und die östliche Gesellschaft schreiten auf eine Erneuerung traditioneller sexistischer Werte und des Chauvinismus zu. Ihre höchsten Werte sind Gewalt und die (irrige) Überzeugung ihrer eigenen Macht. Patriarchale Männer, heute noch in erdrückender Mehrheit vorhanden, kennen keine Selbstzweifel und haben eins gemeinsam: die Überzeugung, eine Frau habe dem Mann zu dienen und sich in Gehorsam zu üben. Das weibliche Glück lautet: er möchte gern.“

Aus dem Tschechischen übersetzt von Eva Profousová