Stunden aus Blei | Deutschlandfunk

REZENSION.

Marko Martin: Radka Denemarková: „Stunden aus Blei“ Die Unumerziehbaren. Deutschlandfunk, 30. 1. 2022.

Eine tschechische Schriftstellerin gerät in Peking mitten in das korrumpierende Beziehungsgeflecht einer Überwachungsdiktatur. Und ermutigt eine junge Studentin zu kritischem Nachfragen und Widerstehen.

Die Protagonistin in Radka Denemarkovás Roman „Stunden aus Blei“ ist eine Prager Schriftstellerin, die einen Reisebericht über China veröffentlicht hat und daraufhin das Land nochmals mehrfach bereist. Rasch macht sie Bekanntschaft mit der dortigen Zensur, entdeckt aber auch, dass sie selbst – in bester Absicht, aus Naivität, vielleicht aus Ignoranz – zuvor mitten hinein getappt war in die Falle kulturalistischer Klischees.

„Der Reisebericht erscheint gestutzt, kastriert. Die Schriftstellerin beschleicht das unheilvolle Gefühl, sie habe ihn mit zusammengebundenen Händen geschrieben. Mit Bleigewicht ums Handgelenk. Sie hat über Landschaften und Berge geschrieben, über die tausendjährige Kultur, die Sommerpaläste und Lyrik des alten China. (…) Sie hat über buddhistische Tempel geschrieben; das Ziel sei Nirwana, Verwehen von jedem Wunsch und jeder Neuschöpfungslust, selige Nichtswerdung, jede Gewalt wühle den Weltenspiegel auf und verunreinige das Karma.“

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Radka Denemarková: Stunden aus Blei. Roman. Aus dem Tschechischen von Eva Profousová. 880 S., geb., € 32,90 (Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg)

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Foto: Soňa Pokorná