Kobold: Übermass an Zärtlichkeit / Überfluss an Menschen

Radka Denemarková: Kobold (2011)Originaler Titel: Kobold: Přebytky něhy / Přebytky lidí
Genre:
Seitenzahl: 327
Veröffentlichungsjahr: 2011
Verlag: Host
ISBN: 978-80-7294-506-1
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Kobold ist ein Doppelroman – zwei Geschichten in einer, Wasser und Feuer, zwei Elemente in einem. Es bleibt dem Leser überlassen, welchen Teil er zuerst lesen will. Die Verbindung der Geschichten und Charaktere erschliesst sich erst nach und nach.

Prag, Weihnachten 1941. Michael Kobold, ein Mann mit einer Obsession für die Moldau und die Karlsbrücke, versucht, dem heiligen Nepomuk einen Mantel umzulegen. Mann und Statue fallen dabei in den eisigen Fluss. Im darauf folgenden Aufruhr springt die 17-jährige Hella, ein sensibles junges Mädchen aus einer wohlhabenden jüdischen Familie, von der Brücke, um von den Massen nicht erdrückt zu werden. Im Rettungsboot trifft und verfällt sie Kobold - halb Mensch, halb Wasserkobold - und in der Folge heiratet sie ihn entgegen den Wünschen ihrer Familie. Sie entkommt der Deportation mit ihrer Familie ins KZ, nur um im Gefängnis einer destruktiven Ehe zu landen.

Prag, frühes 21. Jahrhundert. Hellas und Kobolds Tochter kehrt nach vielen Jahren im Ausland in ihre Heimatstadt zurück. Sie erinnert sich an die zerstörerische Wirkung, welche die Beziehung ihrer Eltern sowie der verhängnisvolle Fluss auf sie und ihre beiden Zwillingsbrüder hatte.

Ein Arbeiterviertel am Rande Prags heute. Justýna, eine arbeitslose, ledige Mutter sucht verzweifelt nach einem Einkommen, um das Sorgerecht über ihre 9 Kinder zu behalten. Die einzige Person, die ihr wirklich zugeneigt und wohlgesonnen ist und ihr im Geheimen zu helfen sucht, ist ein einsamer, behinderter Angestellter eines Begräbnisunternehmens. Doch mitten in einer neureichen, gleichgültigen Gesellschaft haben die beiden unglücklichen, marginalisierten Menschen keine Chance.

KOBOLD sind zwei Geschichten in einer, Wasser und Feuer, zwei Elemente in einem. Es bleibt dem Leser überlassen, welchen Teil er zuerst lesen will. Die Verbindung der Geschichten und Charaktere erschliesst sich erst nach und nach.

ÜBERMASS AN ZÄRTLICHKEIT, die längere der zwei Geschichten, ist eine starke Anklage gegen häusliche Gewalt und die totalitären Strömungen, die sowohl in Individuen wie auch in Familien verborgen sind. Die zweite, kürzere Geschichte, ÜBERFLUSS AN MENSCHEN, ist die leidenschaftliche Verurteilung einer Gesellschaft, die jeglichen Sinn für Solidarität mit den Schwächeren verloren hat und diese marginalisisert, als seien sie Aussätzige. Diese Gesellschaft, so glaubt Radka Denemarková, bringt Menschen wie Kobold hervor - höchst intelligent, aber ohne jegliche emotionale Intelligenz und soziale Empathie. Indem sie andere manipulieren, dringen sie rasend schnell zur Spitze hervor. Mein Roman umfasst viele Themen, einschliesslich des Totalitarismus.

Kobold folgt lose die Bücher Dreht euch nicht um (2005) und Ein herrlicher Flecken Erde (2006) – Mit diesem Roman schließt der Autor seine Trilogie über mitteleuropäischen zwanzigsten Jahrhunderts.

Auszeichnungen

2011 nominiert für JOSEF ŠKVORECKÝ PREIS

2011 das Buch war dreimal in der Lidové noviny-Umfrage LITERARISCHE EREIGNIS DES JAHRES 2011 erwähnt (Jana Klusáková, Markéta Hejkalová, Petr Kotyk)

Aus der Begründung der Jury

Radka Denemarkovás umfangreiches Buch Kobold ist ein herausforderndes, aber zugleich völlig einzigartiges erzählerisches Experiment. In Buchform kombiniert es die Romanerzählung Übermass an Zärtlichkeit (Über Wasser) mit der Novelle Überfluss an Menschen (Über Feuer). Die beiden Prosageschichten sind auf gegenüberliegenden Seiten des Buches angesiedelt, und der Autor überlässt es dem Leser nicht nur, ob, wie viel und wie er die beiden Geschichten bei seiner Lektüre und Interpretation miteinander verwebt, sondern auch die anfängliche Entscheidung, in welcher Reihenfolge er sie überhaupt lesen will. Es entsteht das Projekt eines „offenen Werks“ oder einer Partitur, die den Leser einbezieht und interpretatorische Entscheidungen verlangt. Die beiden Geschichten schließen sich – wie die elementaren Elemente, die in ihren Untertiteln stehen – gegenseitig aus, sind aber auch kompatibel. Die Erzählung des Romans Übermass an Zärtlichkeit erstreckt sich über eine große Zeitspanne historischer Brüche im zwanzigsten Jahrhundert, aber auch über eine Vielzahl von Räumen, die sowohl wörtlich als auch symbolisch funktionieren. Die Novelle Überfluss an Menschen hingegen konzentriert sich auf einen einzigen Raum und eine einzige Zeit – nur die parallele Erzählung des Romans gibt ihr auch einen breiteren kontextuellen Anker. Sowohl der Roman als auch die Novelle sind höchst bedrückende Geschichten, Geschichten über menschliche Grausamkeit, Missverständnisse und Vergehen mit fatalen Folgen…Petr A. Bílek, Juror des Tschechischen-Buch-Preises

Alle Rezensionens

Ausländische Ausgaben

  • Slowenisch: Kobold. Presežki ljudi / Presežki nežnosti. Übersetzung: Tatjana Jamnik. Modrijan, Ljubljana 2013.
  • Polnisch: Kobold. Übersetzung: Olga Czernikow. Książkowe Klimaty, Warschau 2019.
  • Rechte verkauft:
    Hoffmann und Campe, Deutschland – für 2023

Fragment in Deutsch: KOBOLD. Übersetzung: Eva Profousová. Manuskripte. 30. 6. 2011. Österreich.

Fragment in Deutsch: DREI FRAUEN. Neue Literatur aus Tschechien. Übersetzung: Eva Profousová. Die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik. 245/2012, 57. Jahrgang. März 2012.

Fragment in EnglischKOBOLD. Übersetzung: Julia Sherwood. Word without borders. New York, USA.


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